Inglourious Basterds

Donnerstag, der 3. September 2009, 12:10 Uhr von  Thilo

Ein Märchen ohne Happy End. In Kürze dürfte dieser Satz ausdrücken, was Tarantino uns vor die Nase setzt. Man sitzt im Kino und liest eine Kapitelüberschrift; die Geschichte beginnt. Spätestens nach dem ersten Kapitel jagt man der Erwartung nach, tatsächlich Geschichte zu sehen, interpretiert und ausgemalt von einem der weltbesten Regisseure. Doch das ist es nicht.

Es ist ein wunderschöner Tag. Wir begegnen der französische Familie LaPadite mitten im Idyll, im Herzen Frankreichs und schon fährt Militär aus der Ferne auf. Die Deutschen, die das Gebiet offensichtlich schon einige Zeit besetzen, suchen Juden. Vor der Besatzung lebten vier Familien in der Gegend von denen drei bereits gefunden sind. Man braucht nicht lange um zu bemerken, dass die LaPadites den gesuchten Dreyfußens Unterschlupf gewähren, denn ER ist höchst persönlich gekommen um sie ausfindig zu machen. Hans Landa! Sonnenschein und Charmeur des gesamten Films sowie SS-Standartenführer. Christoph Waltz, der seine Aufgabe im Übrigen ganz hervorragend erledigt, spielt in besagt herzlich auftretenden Scherzkeks nicht die Verkörperung des propagierten harten deutschen Soldaten, dazu ist Landa zu gewitzt, zu intelligent. Nein, Landa ist skrupellos und genial, er ist viel mehr als man erahnen will. Die Leute nennen ihn den "Judenjäger" und er trägt seinen Spitznamen, um welchen es sich wohl öfter in diesem Film drehen will, gerne und mit einer gewissen Art des Genießens. Nachdem er sich praktisch zum Familienfreund erklärt und anschließend bis auf eine Tochter die gesamte Familie Dreyfuß auslöscht, wird die Szenerie bizarr.

Spätestens ab dem zweiten Kapitel ist es mit der Historie genug und der Inhalt weicht Fantasien, geschauspielert von großer Besetzung, die sich wohl auf einer großen Hollywood-Party zusammen gefunden haben könnte um sich amüsiert für eine gemeinsame Dokumentation zu entscheiden. Es muss offensichtlich einen Streit darum gegeben haben, ob es eine Dokumentation über das Metzgerei-Handwerk oder Weltgeschichte werden soll.

Es gilt also die Geschichte zu verändern und so wird es auch kommen. Die Deutschen müssen gestürzt werden. Irgendwann findet man sich wieder in einem Film mordender Juden, man findet sich wieder in einem Kino, in dem man ein Kino brennen sieht, das einen Film zeigt, in dem im Grunde nur erschossen wird. Welch Ironie, alle freuen sich. Der Führer selbst wird nur Minuten vor seinem Tod diesen Film für den besten erklären, den Göbbels je gedreht hat, so hohl er auch sein mag. Am Ende ist die Welt verdreht, es ist ein Märchen, Hitler ist tot, das Publikum hinter mir klatscht.

Das ist ein Tarantino mit politischem Hintergrund. Mit meiner Erziehung und dem Wissen über die vielen  Toten im zweiten Weltkrieg, bestehendem Antisemitismus und dem scheinbar nie endenden Nahost-Konflikt ist mir irgendwann trotz allem Metzel-Humor nicht mehr zum Lachen zu Mute. Ich klatsche nicht, finde die Leute im Kino albern und ärgere mich, dass ich Geld für den Film bezahlt habe.

Beitrag anderen mitteilen:
  • Yigg
  • MisterWong.DE
  • Google Bookmarks
  • del.icio.us
  • Facebook

Keine Kommentare »
Trackback URL: http://saddy.yeal.de/inglourious-basterds/trackback/
Tags: ,


Einen Kommentar abgeben