Internetsperren – Kinderporno-Links für alle

Donnerstag, der 3. September 2009, 17:13 Uhr von  Saddy

Es ist schon paradox. Seit nun die Internetsperren in Ländern wie Australien und Italien eingeführt wurden [1], existieren natürlich die dafür notwendigen Sperrlisten, welche verschiedenste Internetseiten (nicht nur Kinderpornographie [2]) beinhalten. Und diese sind natürlich auch streng geheim, sodass nur die zuständigen Behören darauf Zugriff haben. Fast.

Wer sich genauer informiert wird feststellen, dass nach und nach viele Listen geleaked wurden. Die Internetseite, wo die sog. Leaks für jedermann einsehbar sind heißt WikiLeaks. Auf einen Link muss ich leider verzichten.[3] (Der Podcast vom Chaosradio Sendung 149 beschäftigt sich eingehender mit dem Thema)

 

Hinweis: Ich empfehle niemandem, einem der Links dort zu folgen, auch nicht aus Neugierde oder sonstwas. Mit etwas Pech landet man dann tatsächlich schon auf irgend einer Liste und darf sich am Ende vor Gericht rechtfertigen.

 

Wer die aktuelle Politik insbesondere unserer Familienministerin und von Herrn Schäuble schon verinnerlicht hat, der wird sich denken: »na bitte, dann sperren wir diese Internetseite eben auch.« Aber das wäre 1. meiner Ansicht nach der falsche Ansatz, denn damit würde einmal mehr der falsche Ansatz "wir verbieten das Problem anstatt es zu lösen" verfolgt und 2. ist es de facto garnicht möglich die Seite zu verbieten. (Ich verweise wieder auf den Podcast)

 

Das Paradoxon besteht nun darin, dass vor dieser Aktion niemand solche Listen hatte. Alles in allem wird also in Deutschland demnächst eine Regelung eingeführt, die das Gegenteil von dem bewirkt, was sie erreichen soll. Nur wer sich nicht näher mit dem Thema beschäftigt, wird sich von dem Wahlslogan "Wir verbieten Kinderporno-Webseiten" blenden lassen.

Fußnote:

  1. http://criminologia.de/2009/02/ueber-das-fuer-und-wider-von-internetsperren-im-kampf-gegen-kinderpornographie/
  2. http://www.heise.de/newsticker/Australische-Internet-Sperrliste-in-der-Debatte--/meldung/134943
  3. http://www.lawblog.de/index.php/archives/2009/03/26/warnung-vor-links-auf-wikileaks/
Beitrag anderen mitteilen:
  • Yigg
  • MisterWong.DE
  • Google Bookmarks
  • del.icio.us
  • Facebook

2 Kommentare »
Trackback URL: http://saddy.yeal.de/internetsperren-kinderporno-links-fuer-alle/trackback/
Tags: , , ,


2 Kommentare

  1. Saddy Sagt:

    Ich denke zuallererst würden Messer verboten werden ;-)

    Die internationalen Arbeitsgruppen sind ein interessanter Ansatz. Kennt die SegelPartei die Idee schon?

  2. Thilo Sagt:

    Du bringst es auf den Punkt. Der Podcast beschreibt es ja ganz gut, WikiLeaks kann man im Grunde nicht verbieten und wenn es jemandem gelingen sollte, WikiLeaks auszusperren, so ist das zum einen ein schwerer Schlag für unsere demokratischen Werte und zum anderen sinnfrei, weil sich mit Sicherheit an anderer Stelle oder über Umwege ein ähnliches Netzwerk finden wird.

    Das Problem der Politik ist hier eindeutig das mangelnde Sachverständnis. Keine Daten sind sicher und schon gar nicht digitalisierte Daten. Solche Sperrlisten öffnen Tür und Tor! Viel schlimmer noch ist, dass dabei der Bevölkerung Recht abhanden kommen, die eigentlich für alle Zeit unantastbar sein müssen.

    Viel wichtiger als Sperrlisten – und aus rein men schlicher Sicht sollte das an erster Stelle stehen – wären internationale Arbeitsgruppen, die die Technik und das Wissen mitbringen um illegale Inhalte aus dem Netz zu lokalisieren und die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen! Ich verstehe in Zeiten der Globalisierung nicht, wo das Problem liegt, derartige Lösungsansätze zu verfolgen.

    Was sollen denn die Generationen nach uns aus der heutigen Denkweise lernen? Werden nach einer Messerstecherei irgendwann zu aller erst die Gaffer verhaftet und verurteilt, bevor man sich den eigentlichen Tätern widmet?

Einen Kommentar abgeben